Häufung von Wundbotulismus-Fällen bei Drogengebrauchern in Norwegen

Das Robert Koch Institut informiert über die Häufung von Wundbotulismus-Fällen bei Drogengebrauchern in Norwegen und über die daraus resultierenden Gefahren. Wir veröffentlichen die Information nachfolgend:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten hiermit über eine Häufung von Wundbotulismus-Fällen bei Drogengebrauchern in Norwegen informieren. Dem RKI sind über das europäische Frühwarnsystem (EWRS) bisher 2 bestätigte und 4 weitere Verdachtsfälle aus Norwegen bekannt geworden. Eine Risikobewertung wird derzeit auf europäischer Ebene vorgenommen.

Bei den norwegischen Fällen handelt sich um injizierende DrogengebraucherInnen zwischen 35 und 50 Jahren, die in Oslo und Umgebung leben. Die meisten berichten, Heroin intramuskulär injiziert zu haben. Die Diagnose erfolgte anhand der klinischen Symptome (s. unten).

Da eine kontaminierte Charge Heroin als Ursache der Häufung vermutet wird, sind Fälle auch in anderen Ländern nicht auszuschließen.

Das Krankheitsbild des Wundbotulismus entsteht durch Neurotoxine des Bakteriums Clostridium botulinum, eines im Erdstaub weit verbreiteten Sporenbildners. Auch in früheren Ausbrüchen von Wundbotulismus bei i.v. Drogenkonsumenten (z.B. USA, Vereinigtes Königreich) wurde subkutan injiziertes verunreinigtes Heroin als Infektionsquelle verdächtigt. Wie die Sporen (eine Dauerform der Bakterien) in das Heroin gelangten, lässt sich meist nicht ermitteln. Vorstellbar ist eine Verunreinigung beim Transport, durch das Zusetzen von Strecksubstanzen oder bei der Zubereitung des Heroins über andere Quellen (Lösemittel, verunreinigtes Spritzbesteck).

Werden Drogen, die Botulinumtoxin-produzierende Sporen enthalten, unter die Haut oder ins Muskelgewebe gespritzt, können sich die Bakterien vermehren, wenn im Gewebe anaerobe Bedingungen vorherrschen. Das gebildete Toxin löst ca. 4–14 Tage nach Infektion das Krankheitsbild aus. Neben lokalen Symptomen einer schweren Wundinfektion besteht das klinische Bild typischerweise aus den durch das Toxin verursachten Hirnnervenlähmungen, Doppelbildern, Ptosis, Schluck- und Atemstörungen bis hin zur länger dauernden Beatmungspflichtigkeit. Die Behandlung des Wundbotulismus besteht neben der Gabe von Botulinum-Antitoxin (nur in den ersten 24 Stunden wirksam) und einer symptomatischen Therapie in einer chirurgischen Wundversorgung (breite Eröffnung der Wunde) sowie – im Gegensatz zum lebensmittelbedingten Botulismus – in einer Antibiotikagabe (Penizillin G).

Wir bitten Sie um Weitergabe der Informationen an Ihre Kooperationspartner in Drogenhilfeeinrichtungen, Substitutionspraxen und andere Einrichtungen, die mit Drogengebrauchern in Kontakt sind. Die Landesstellen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes wurden bereits informiert, mit der Bitte um Weitergabe der Informationen an die Kliniken. Klinische Verdachtsfälle sind unverzüglich an das lokale Gesundheitsamt zu melden.

Weitere Informationen finden Sie unter den folgenden links:

Zum Bericht zu einer Häufung von Wundbotulismus bei injizierenden Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2005

http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2005/Ausgabenlinks/48_05.pdf?__blob=publicationFile

Zu einem Fallbericht von Wundbotulismus bei einem Drogengebraucher im Jahr 2004

http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2004/Ausgabenlinks/43_04.pdf?__blob=publicationFile

Für Rückfragen stehen Dirk Werber (WerberD@rki.de) und ich gerne zur Verfügung

i.A.

Ruth Zimmermann

Dr. med. Ruth Zimmermann

Abteilung für Infektionsepidemiologie

Fachgebiet 34 HIV/AIDS und andere sexuell oder durch Blut übertragene Infektionen Robert Koch-Institut Seestr. 10

13353 Berlin

Tel.: 030 18 754 3801

Fax: 030 18 754 3533

Email: ZimmermannR@rki.de

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